Station 6, Wigberikirche

Schmerzensmann

Der heutige Bau der Wigbertikirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit (1440 –1450) stammen auch die beiden Figuren oberhalb des Portals an der Westfassade: Eine Madonna mit Kind auf der linken und Christus als Schmerzensmann auf der rechten Seite. Nur die rechte Figur soll hier betrachtet werden. Es ist ein Andachtsbild, das Christus als Erlöser zeigt, der durch die Wundmale als schon gekreuzigt ausgewiesen ist. Als Mensch ist er also eigentlich tot, und doch wendet er sich an die Betrachter und weist sie durch die Dornenkrone, die durchbohrten Hände und Füße und die Seitenwunde auf sein Leiden hin. Hinzu kommt hier, dass er mit der rechten Hand einen Kelch direkt unter die Wunde hält, so dass zu vermuten ist, dass dieser das hier herausfließende
Blut auffangen soll. Mit der linken Hand weist Christus auf Seitenwunde und Kelch hin. Dadurch wird der Bezug zum Abendmahl hergestellt und die sakramentale Bedeutung seines Blutes hervorgehoben.

»Aufbrüche im Alten Testament«

Foto: W.M. Rehahn

Im Inneren der Kirche ist neben schönen Ausstattungsstücken früherer Zeiten eine Reihe von modernen Glasfenstern bemerkenswert. Sie wurden ab 1999 von dem Künstler Wladimir Olenburg (* 1950) zusammen mit dem Pfarrgemeinderat und dem  Kirchenvorstand thematisch entwickelt. Eins der Fenster hat »Aufbrüche im Alten Testament« zum Inhalt. Ausgangspunkt der Gestaltung ist die Form des Kreises, der als in sich zurücklaufende Linie ohne Anfang und Ende ein Symbol für Gott ist. In den Scheiben wird der Kreis gestalterisch in einzelne Segmente zerlegt, die – unterschiedlich angeordnet – ihrerseits Symbolzeichen für entscheidende Ereignisse in der Geschichte Israels bilden. Von der Erschaffung der Welt über Abrahams Aufbruch und Bund mit Gott, dem Auszug aus Ägypten und der Verkündigung der zehn Gebote wird der Bogen schließlich bis zum Wiederaufbau des Tempels nach der babylonischen Gefangenschaft geschlagen. Hebräische Inschriften am Anfang und Ende der aufsteigenden Bildfolge stellen den Textbezug zum Alten Testament her.