Station 4, Bartholomäusturm, Anger

Bartholomäusturm, Anger Relief »Christus am Ölberg«


Von der ursprünglich aus dem 12. Jh. stammenden Bartholomäuskirche ist nur noch der Turm erhalten. Am untersten Geschoss findet sich ein Epitaph (zwischen 1510 und 1520), das Christus am Ölberg vor seiner Verhaftung im Garten Gethsemane darstellt. In  dieser Stunde großer Verzweiflung Jesu sollen Petrus, Jakobus und Johannes mit ihm wachen und beten. Aber sie sind eingeschlafen – so werden sie in der unteren Hälfte des Flachreliefs dargestellt. Darüber, links von ihnen kniet Christus auf einer Felsebene, die Arme zum Himmel hin ausgestreckt, den Blick nach oben gerichtet. Dort erscheinen Engel in den Wolken. Mit einem Kelch und einem Kreuz verweisen sie auf die bevorstehende Passion. Im rechten Hintergrund nähern sich mit Helmen und erhobenen Waffen die Knechte des Hohenpriesters. Inmitten der Bewaffneten ist Judas als bärtiger Mann mit einem Geldbeutel in der Hand zu sehen (Matth 26, 36 – 46 und Parallelen).

Zum Vergleich Lorenzkirche: Relief »Christus am Ölberg«

Foto: W.M. Rehan


Auf dem Epitaph für Berlt Starke (um 1480) an der Südseite der Lorenz- (St. Laurentius-) Kirche findet sich seitenverkehrt die gleiche Szene. Auch hier ist der Garten Gethsemane durch einen geflochtenen Zaun im Vordergrund angedeutet. Allerdings gleicht er eher einer bizarren Felslandschaft ohne Vegetation. Links, etwas zurückgesetzt, schlafen die drei Jünger. In beiden Reliefs findet sich neben Petrus ein Schwert; nach Joh18, 10 –11 ist er es, der bei der Verhaftung Jesu davon Gebrauch macht. Rechts vorne kniet Christus und hebt betend den Blick zum Himmel. Dort erscheint ihm Gottvater, der ihn segnet, links daneben ein Engel mit dem Kelch des Leidens. »Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!« (Matth 26, 39). In der linken Ecke drängen die Knechte des Hohenpriesters zusammen mit Judas durch das Tor in den Garten, um Jesus zu verhaften.