Station 1 Reglerkirche

Reglerkirche Kreuzigungsrelief

Die Reglerkirche hat ihren Namen von den Regulierten Augustiner-Chorherren, die im Mittelalter hier lebten; heute ist sie eine evangelische Gemeindekirche. In dem überwiegend gotischen Bau sind noch romanische Bauteile aus dem 12. Jh.
enthalten. Außen am südlichen Seitenschiff findet sich ein teilweise beschädigtes Relief: Unter drei Baldachinen sind der gekreuzigten Christus, dessen Kopf fehlt, und zu beiden Seiten Maria, die Mutter Jesu, und der Jünger Johannes (siehe Joh 19, 26 –27) auf Konsolen stehend dargestellt. Darunter, deutlich kleiner, die knienden Stifter, die jeweils von einem Heiligen, der hinter ihnen steht, empfohlen werden. An den beiden Längsseiten befindet sich eine lateinische Inschrift, die auf Heinrich Frymar (geboren 1417, Sterbedatum unbekannt) verweist. Das Kreuzigungsrelief ist ein Grabmal, ein Epitaph, für ihn. Ähnliche Epitaphien finden sich auch an anderen Erfurter Kirchen

Reglerkirche Spätgotischer Wandelaltar

In ihrem Inneren birgt die Reglerkirche einen besonderen Schatz in Gestalt eines großen spätgotischen Altaraufsatzes aus der Zeit um 1470, mit reichen Schnitzereien und Malereien. Als Station auf dem Bibelwanderweg bietet er sich schon deswegen an, weil der geöffnete Altar in seiner ersten Wandlung (siehe Abbildung) in vier großformatigen Gemälden bereits zentrale neutestamentliche Motive zeigt: die Dornenkrönung und Geißelung Christi, seine Himmelfahrt und das Pfingstereignis. Die zweite Wandlung bringt die Festtagsseite mit den prunkvollen Schnitzereien des Schreins und der Seitenflügel zum Vorschein. Eine Darstellung der Marienkrönung im Zentrum wird von den sogenannten »Freuden Marias« (links) und den »Schmerzen Marias« (rechts) eingerahmt. Dabei handelt es sich – biblisch betrachtet – ebenfalls um Motive aus der Lebens- und Leidensgeschichte Christi. Der ganze Bild- und Symbolreichtum des Altars erschließt sich erst einer längeren
Betrachtung unter Zuhilfenahme der einschlägigen Literatur.

W.M.Rehahn
Foto W.M.Rehahn