An der Fachhochschule Erfurt wurden durch eine Fachjury im Rahmen eines studentischen Ideenwettbewerbs drei Preise für die besten studentischen Entwürfe für einen Andachts- und Veranstaltungsort der Kirchen zur BUGA 2021 verliehen. Der Beitrag „Der rote Faden“ der Studentinnen Sanja Freihube und Lisa Nikolaus von der Fachrichtung Architektur an der Hochschule wurde in einem anonymen Wettbewerbsverfahren durch eine Fachjury mit dem ersten Preis prämiert.

Der Entwurf überzeugte die Fachjury unter dem Vorsitz von Professorin Inga Hahn - Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst - durch die hervorragende Integration der vielfältigen Anforderungen: durch ein hölzernes, teilweise pflanzliches und bepflanztes Band, das als Hochbeet, Tor, Rahmen, Dach, Bühne und als großzügiges Sitzmöbel fungiert, werden auf signifikante und überraschende Weise spezifische Orte geschaffen und wird der Rahmen für besondere Ein- und Ausblicke ermöglicht. Die geplanten Bäume würden den Raum fassen und gliedern den Raum und gleichzeitig interessante Ausblicke ermöglichen, Schatten, Kühlung und Aufenthaltsqualität stärken. Leider ist davon nur 1 Baum realisierbar. Vielleicht können die Wettbewerbsergebnisse mit den gestalterisch raumbildenden und klimaschützenden Baumpflanzungen vielleicht doch langfristig zu einem Umdenken anregen?

Das Architekturbüro Funken Architekten aus Erfurt vereinfacht und bearbeitet den studentischen Entwurf weiter.

Erläuterungsbericht zum studentischen Siegerentwurf: Der rote Faden

Einleitung
Für das Religionsareal der BUGA 21 in Erfurt ist ein Pavillon gefragt. Dieser soll nicht nur einen Andachtsraum bilden, sondern auch weitere Nutzungen miteinander anbieten können. Die Besucher sollen eingeladen werden, sich mit der Kirche und der Natur auseinanderzusetzen. Dieser Entwurf bietet dafür den roten Faden.

Städtebauliches Konzept
Auf dem Petersberg ist die Peterskirche sehr prägnant und ist somit gerade für das Areal der Kirche ein wichtiger Anlaufpunkt, besonders mit den Einritzungen, des Schmerzensmann, an der Südfassade. Der Pavillon ist daher als leichte und offene Konstruktion geplant, die sich, wie ein Band, vom Portal der Kirche, an der Südfassade vorbei, durch das Pulvermagazin hindurch und Richtung Mauer erstreckt. Der Bestand wird so bewahrt und mit einer leichten Konstruktion ergänzt. Das Band verknüpft verschiedene Anlaufpunkte des Kirchenareals miteinander und verwebt diese mit dem Weg, den die Besucher entlanggehen. Der Pavillon besteht aus einer Lamellenstruktur, die sich von Punkt zu Punkt bewegt und mit einem Spiel aus Höhen zu Überdachung oder Terrasse wird. Um sich sichtbar von der sandsteinfarbenen Kirche abzuheben und den Bestand in seinem Anblick nicht zu beeinträchtigen, wird die Konstruktion in rote Farbe getaucht. So wird der Pavillon zum Landmark, neben der bestehenden Peterskirche.

Architektonische Bildsprache
Neben den Verschiedenen Anlaufstellen ist besonders die Verschattung auf dem nach Süden exponierten Areal ein wichtiger Faktor. Durch die, sich auffächernden Lamellen und die Begrünung mit Rankenpflanzen, wird eine Verschattung und dadurch eine erhöhte Aufenthaltsqualität geschaffen. Die Raumgreifende Gestaltung des Bandes ergibt immer wieder neue Perspektiven und zum Teil Einrahmungen interessanter Blickrichtungen (Schmerzensmann, Portal, Dom, etc.). Die Bildung von Podesten, sowie von Pergolen, setzen die verschiedenen Bereiche in Szene, ohne ihnen eine starke räumliche Fassung zu geben. Die Barrierefreiheit wird durch vereinzelte Anhöhen zu den Podesten gewährleistet. Im Pulvermagazin dient der Steg aus Lamellen als Rampe und ermöglicht einen Barrierefreien Zugang zum Raum der Stille.

Nutzungsverteilung
Entsprechend der Nutzungen haben die verschiedenen Bereiche unterschiedliche Höhen oder sind räumlich eingefasst. Wenn man das Areal von Westen betritt, erstreckt sich links die überdachte Internationale Tafel, die mit Hochbeeten und einem offenen Küchenbereich ergänzt wird. Durch ein Tor gelangt man zum Vorplatz des Südportals, was als Wunschwand fungiert. Hier entsteht Platz, um in Kontakt zu treten, den Schmerzensmann zu betrachten, sich am Trinkbrunnen zu erfrischen oder seinen Wunsch aufzuhängen. Dieser Bereich bildet so zugleich auch den Eingang zum Andachts- und Veranstaltungsort, welcher durch Dach und Boden eingerahmt ist. Er wird locker begrenzt durch die Kirchenfassade und das Rankengerüst, dadurch ergibt sich ein Raum, der für verschieden viele Menschen Platz bieten kann. Dieser kann bei kleineren Gruppen auch mit einem Vorhang komplett abgetrennt werden. Bei Bedarf kann die Bestuhlung auf das gesamte Podest erweitert werden oder sogar auf dem angrenzenden Bereich erfolgen. Somit ist höchste Flexibilität gegeben. Gegenüber befindet sich neben dem Lager eine Theke, die als Informationspunkt, sowie als Ausschank genutzt werden kann. Angrenzend befinden sich Sitznischen mit Blick richtung Dom. Daran angegliedert findet sich ein weiterer geschlossener Raum, der für persönliche Gespräche zur Verfügung steht. Das Band führt als Laufsteg durch das Pulvermagazin, was als Raum der Stille angedacht wird. Konstruktion bietet an vielen Orten Platz für Infotafeln und Sitzecken. Nach dem Pulvermagazin entwickelt sich das Band, auf der Nordseite weiter und dient als Aufhängung für Schaukeln und bildet Sitzstufen mit Blick in Richtung Stadt.

Konstruktion | Materialität | Energie
Die einfache Konstruktion besteht aus dem einzigen Baustoff Holz und wird von punktuellen Einschlagbodenhülsen getragen, ausgesteift durch, im Kreuz angeordnete Stahlseile. Somit wird wenig in die historische Substanz des Bodens eingegriffen und versiegelte Flächen entstehen keine. Neben den hohen Lamellen, tragen die Pflanzen, die die Konstruktion beranken, zur Schattenbildung und natürlichen Kühlung bei. Die Konstruktion kann durch die Einschlagbodenhülsen optimal und Restlos zurückgebaut werden. Durch die lockere Raumbildung ist denkbar, den Pavillon für andere Zwecke um zu nutzen oder als Sitz- und Spielmöbel weiter zu verwenden. Die Konstruktion kann ganz oder teilweise an anderen Orten wieder verwendet werden, da die Raumstruktur auch andere Nutzungen nicht ausschließt. Der natürliche Baustoff kann problemlos recycelt werden und für andere Projekte genutzt werden.


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