Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung des Petersberges mit dem Schwerpunkt der Peterskirche bzw. der ehemaligen Klosterkirche St. Peter und Paul und Gartenkultur

Die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul ist der größte erhaltene romanische Kirchenbau in Thüringen und gilt als erster Großbau der Hirsauer Schule auf thüringischem Boden.

Diese Tatsache ist im allgemeinen kulturellen Gedächtnis Thüringens meist ebenso wenig präsent wie die überragende Stellung, die der Petersberg als eines der ältesten und am längsten bestehenden spirituellen Zentren in Thüringen und als eines der bedeutendsten Benediktinerklöster Deutschlands besaß. (Prof. Dr. M. Werner, Universität Jena)

Heute ist die Peterskirche das letzte erhaltene Gebäude der einstigen Klosteranlage auf dem Petersberg, die 1803 säkularisiert wurde.

Am Beginn der Geschichte Erfurts steht der Apostel der Deutschen, der Hl. Bonifatius. Er hatte Erfurt als Thüringer Bischofssitz auserkoren und gründete 742 das Bistum. Neben der frühen Ansiedlung an der Furt über die Gera (im heutigen Gebiet der Krämerbrücke) gab es eine zweite Ansiedlung auf dem Domhügel und dem Petersberg. Der Petersberg trug um 800 vermutlich eine königliche Pfalz, auf der ein Graf im Auftrag Karls des Großen residierte. Es ist anzunehmen, dass auch das später auf diesem Berg ansässige Peterskloster auf frühmittelalterliche Zeiten zurückgeht.

Karl der Große ist auch bekannt für seine Landgüterverordnung: "Capitulare de villis", die erste Land- und Wirtschaftsordnung des Mittelalters. Das Interesse an dieser ist heute noch bzw. wieder groß, weil darin auch der verpflichtende Anbau von Obstbäumen, Weinreben, Küchen- und Heilkräutern und Gemüse beschrieben ist. Die Liste umfasst 73 Pflanzenarten; Nutzpflanzen wie Gemüse, Heilkräuter und 16 verschiedene Sorten von Obstbäumen, die in allen kaiserlichen Gütern angepflanzt werden sollten. Diese sicherten einerseits die Versorgung Karls des Großen und seines Hofes, der sich laufend auf Reisen befand und andererseits die medizinischen Grundversorgung und Ernährung der Bevölkerung. Vorbild für diese Pflanzensammlung der Landgüterverordnung waren die Gärten der Klöster, die für den Eigenbedarf nach der Vorgabe des Ordensgründers Hl. Benedikt von Nursia von den Mönchen und Nonnen angelegt wurden. Gegen jedes Symptom und jede Krankheit hatten sie ein Kraut im Garten.

Sicher ist, dass im 11. Jhd. auf dem Petersberg ein Domherren Stift bestand, welches um 1060 in ein Benediktinerkloster-Mönchkloster umgewandelt wurde. Dieses Kloster, das bald über einen reichen Grundbesitz verfügte, war im 12. und 13. Jhd. eine Pflanzstätte von Wissenschaft und Bildung. Berühmt und für die deutsche Geschichte wichtig ist die nach ihrem Entstehungsort benannte Peterschronik.

Die Peterskirche, vor deren Mauern unser temporärer Kirchen-BUGA-Pavillon errichtet wurde, entstand von 1127-1147 als romanischer Kirchenbau. Bis 1813 war sie mit ihren beiden, der Stadt zugewandten Osttürmen, das hochragende Wahrzeichen der Stadt. Bei der Beschießung der von den Franzosen besetzen Zitadelle Petersberg durch die preußischen Truppen am 06. Nov. 1813 wurde die Peterskirche stark beschädigt. Die preußische Militärverwaltung ließ die Türme und das Kirchenschiff bis zur Höhe der Seitenschiffe abtragen, um 1820 ein Militärmagazin einzurichten.

Trotz ihrer Zerstörung und Zweckentfremdung ist die Kirche noch immer ein bemerkenswertes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. In ihrem Inneren sind außerdem bedeutende mittelalterliche Wandmalereien erhalten. An der südlichen Außenwand des Querhauses ist des Weiteren eine Ritzzeichnung erhalten. Sie entstand wohl um das Jahr 1360 und zeigt einen sogenannten Schmerzensmann.

In Vorbereitung auf die BUGA erfolgte eine Fassadenrestaurierung und Teilsanierung der Peterskirche, die sich heute im Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten befindet, um auch nach der BUGA vielfältige öffentliche Nutzungen zu ermöglichen. Während der BUGA wird in der Peterskirche die multimediale Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ gezeigt. Diese spannt den Bogen von den Paradiesgärten der Klosterzeit bis zu den Gartenparadiesen von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert am Beispiel von elf historischen Garten- und Parkanlagen aus dem Bestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Text: Dieter Bombach, Marion Müller, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG)